„Herzensdame 24/7“ – Unser humorvoller Blick in den Spiegel…

Neue Komödie von Bernd Spehling im Plausus Theaterverlag erschienen

Was passiert, wenn der eigene Ehemann plötzlich eine neue Herzensdame hat, die immer gut gelaunt ist, niemals widerspricht, stets aufmerksam zuhört und rund um die Uhr für ihn da ist? Eine, die weder schlechte Haare noch schlechte Laune kennt und offenbar alles richtig macht? Klingt nach einem Traum? Für die betrogene Ehefrau ist es eher ein Albtraum. Und für das Publikum wird daraus eine turbulente Komödie!

Die neue Komödie „Herzensdame 24/7“  von Bernd Spehling ist jetzt im Plausus Theaterverlag erschienen. In drei Akten und mit rund 100 Minuten Spielzeit widmet sich das Stück einer Frage, die aktueller kaum sein könnte: Was passiert mit unseren persönlichen Beziehungen, wenn künstliche Intelligenz immer stärker in unseren Alltag eindringt? Und was, wenn die digitale Traumfrau plötzlich zur ernsthaften Konkurrenz für die ganz reale Ehefrau wird?

Dabei geht es mir keineswegs nur um WLAN, Chatbots und die kleinen bis mittelschweren Katastrophen des digitalen Zeitalters. Es geht vor allem um uns Menschen. Um Liebe, Eifersucht, Nähe, Missverständnisse und die manchmal erstaunliche Fähigkeit, ausgerechnet diejenigen zu übersehen, die uns am nächsten stehen. Natürlich auf eine herrlich komödiantische Weise!

Menschen brauchen immer Menschen. Gut so. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Enno. Als Bestatter hat er das Homeoffice für sich entdeckt und verbringt seine Zeit zunehmend lieber mit Jessi als mit seiner Ehefrau Beate. Jessi ist intelligent, attraktiv, verständnisvoll und ständig Ennos Meinung. Der entscheidende Unterschied zu einer menschlichen Partnerin: Jessi ist ein Chatbot. Widerspruch? Fehlanzeige. Schlechte Laune? Nicht vorgesehen. Diskussionen über den Müll, den Haushalt oder die Frage, wer eigentlich schon wieder das WLAN überlastet hat? Gibt es in dieser Form nicht.

Für Enno scheint das digitale Beziehungsglück perfekt. Für Beate hingegen ist eine rote Linie überschritten. Ihren Mann kampflos an eine künstliche Konkurrentin verlieren? Eines vorwerg: Menschen brauchen imer Menschen, und das ist auch gut so.

Aber zunächst beginnt ein ebenso irrwitziger wie erbitterter Kampf um die Internetverbindung. Der Computerfreak Pixel soll zunächst Ennos WLAN-Probleme lösen. Dummerweise bezahlt ihn auch Beate – allerdings mit dem gegenteiligen Auftrag. Während Enno die Verbindung stabilisieren möchte, versucht Beate, sie  zuverlässig lahmzulegen. Dass sich daraus allerlei technische, zwischenmenschliche und dramaturgische Verwicklungen ergeben, versteht sich beinahe von selbst.

Unterstützung erhält Beate von ihrer schlagfertigen Schwester Cleo und deren ebenso entschlossener wie unkonventioneller Partnerin Charly. Gemeinsam ziehen die drei Frauen in den Kampf gegen die digitale Nebenbuhlerin. Doch wenn Eifersucht, kreative Rettungspläne und ein attraktiver Kollege namens Erwin ins Spiel kommen, entwickelt selbst eine vermeintlich überschaubare Ehekrise schnell eine Eigendynamik, die kaum noch jemand kontrollieren kann.

Als wären diese Turbulenzen nicht genug, mischen auch noch eine paketgeplagte Nachbarin, eine emotionsfreie Paketbotin, Beates neugierige Mutter Anne und der rätselhafte Fiete im Bademantel mit. Sie alle tragen auf ihre Weise dazu bei, dass aus einem häuslichen WLAN-Problem eine ausgewachsene komödiantische Großschadenslage wird.

Warum uns diese Geschichte mehr angeht, als wir vielleicht denken

Künstliche Intelligenz ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie schreibt Texte, beantwortet Fragen, organisiert unseren Alltag und kann sich inzwischen erstaunlich menschlich geben. Sie ist verfügbar, geduldig und vermittelt uns häufig das Gefühl, verstanden zu werden. Doch gerade darin liegt ein reizvoller Widerspruch: Was bedeutet es für unsere Beziehungen, wenn wir uns zunehmend an ein Gegenüber gewöhnen, das uns kaum widerspricht und dessen Aufmerksamkeit jederzeit abrufbar scheint?

Mit „Herzensdame 24/7“ möchte Bernd Spehling diese Frage nicht mit erhobenem Zeigefinger beantworten. Vielmehr blickt das Publikum mit humorvoller Art in einen Spiegel. Denn wer kennt sie nicht, die kleinen Fluchten aus dem Alltag? Den Griff zum Smartphone, während der Partner etwas erzählt. Die vermeintlich dringendere Nachricht. Den Blick auf den Bildschirm, obwohl direkt neben uns ein Mensch sitzt, der sich eigentlich unsere Aufmerksamkeit wünscht.

Natürlich ist ein Chatbot keine Ehefrau und kein Ehemann. Aber die Vorstellung, dass eine künstliche Alternative plötzlich attraktiver erscheint als eine gewachsene menschliche Beziehung, bietet reichlich Stoff für komödiantische Zuspitzungen. Denn echte Beziehungen sind nun einmal nicht perfekt. Menschen haben schlechte Tage, widersprechen, stellen unangenehme Fragen und erwarten manchmal Dinge, die uns gerade überhaupt nicht in den Kram passen.

Doch genau darin liegt auch ihr Wert. Persönliche Beziehungen leben nicht davon, dass immer alles reibungslos funktioniert. Sie entstehen durch gemeinsame Erfahrungen, durch Reibung und Versöhnung, durch geteilte Erinnerungen, gegenseitige Rücksichtnahme und die Bereitschaft, sich immer wieder aufeinander einzulassen.

Vielleicht ist das Menschliche gerade deshalb so wertvoll, weil es nicht perfekt ist. Und vielleicht sollten wir uns gelegentlich daran erinnern, dass ein verständnisvolles Gegenüber im Bildschirm noch lange nicht dasselbe ist wie ein Mensch, der mit uns durchs Leben geht.

Wenn das Publikum nach einem unterhaltsamen Theaterabend mit einem Lachen nach Hause geht und sich dabei vielleicht auch fragt, ob es den Menschen neben sich nicht wieder einmal etwas aufmerksamer ansehen sollte, dann hätte diese Komödie schon viel erreicht.

Ein Stück für viele Bühnen – und für ganz unterschiedliche Ensembles

Besonders dass „Herzensdame 24/7“ nicht nur inhaltlich ein aktuelles Thema aufgreift, sondern auch bei der Besetzung viele Möglichkeiten eröffnet. Das Stück ist mit 8, 9, 10, 11 oder 12 Schauspielerinnen und Schauspielern spielbar. Damit möchte Spehling möglichst vielen Theatergruppen die Gelegenheit geben, die Komödie auf ihre eigene Bühne zu bringen.

Auch hinsichtlich der Rollenbesetzung gibt es erfreuliche Freiheiten. Die Rollen von Frau Hamacher und der Paketbotin können ebenso männlich besetzt werden wie die Rolle des Pixel weiblich. Bei entsprechender Inszenierung ist sogar eine Doppelbesetzung von Frau Hamacher und der Paketbotin möglich. Darüber hinaus lässt sich die Dauer der Ehe von Beate und Enno flexibel gestalten, sodass unterschiedliche Altersstrukturen innerhalb eines Ensembles berücksichtigt werden können.

Gerade für Amateurtheater, Bühnenvereine und freie Theatergruppen sind solche Möglichkeiten interessant. Nicht jede Bühne verfügt über dieselbe Anzahl an Mitwirkenden oder dieselben personellen Voraussetzungen. Deshalb ist es mir wichtig, Stücke zu schreiben, die nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern auch in der praktischen Theaterarbeit möglichst vielen Ensembles offenstehen.

Und natürlich bietet „Herzensdame 24/7“ zahlreiche Gelegenheiten für Spielfreude, pointierte Dialoge, überraschende Wendungen und Figuren, die man so schnell nicht vergisst. Zwischen digitalem Liebesglück, analogem Ehezwist und einer Nachbarschaft, in der offenbar niemand ohne Nebenwirkungen durchs Leben kommt, dürfte auf der Bühne einiges geboten sein.

Vorfreude auf die ersten Inszenierungen!

Schon jetzt steigt für so manch Theaterschaffenden und Zuscher die Vorfreude darauf, „Herzensdame 24/7“ auf möglichst vielen Theaterbühnen zu sehen. „Ich bin gespannt, wie unterschiedliche Ensembles die Figuren interpretieren, welche komödiantischen Akzente sie setzen und wie das Publikum auf Ennos digitale Herzensdame, Beates Gegenwehr und die übrigen Katastrophen reagiert…“, so Spehling.

Mein Dank gilt dem Plausus Theaterverlag, der dieser Komödie nun ein Zuhause gegeben hat und damit den Weg für kommende Inszenierungen ebnet.

Wer also Lust auf eine aktuelle Boulevard-Komödie hat, die künstliche Intelligenz, Eifersucht und den ganz normalen Beziehungswahnsinn miteinander verbindet, sollte einen Blick auf „Herzensdame 24/7“ werfen.

Denn am Ende bleibt eine Frage, die sich vermutlich nicht allein mit einer stabilen Internetverbindung beantworten lässt: Wer ist eigentlich die größere Gefahr für menschliche Beziehungen – das scheinbar perfekte Gegenüber aus dem Computer oder der ganz reale Mensch, mit dem man Tisch, Bett und Alltag teilt?

Viel Vergnügen bei der Lektüre, bei den Proben und natürlich bei den Aufführungen. Und dem Publikum einen Abend voller Lacher, überraschender Erkenntnisse und vielleicht auch ein kleines bisschen mehr Wertschätzung für das unvollkommene, manchmal anstrengende, aber durch nichts zu ersetzende menschliche Miteinander.

„Herzensdame 24/7“ – jetzt erschienen im Plausus Theaterverlag.

Eine Komödie über die digitale Gegenwart, die menschliche Liebe und die Erkenntnis, dass das Herz glücklicherweise noch immer seine ganz eigenen Spielregeln hat.

Kategorie: Allgemein