Ein Treffen heiterer Geister – Menschen brauchen immer Menschen
Wie muss man sich ein Treffen von Theaterkomödien – Autoren und Initiatoren des Plausus-Theaterverlages vorstellen, der mit seinem Team nicht nur Schritt halten muss und Schritt hält mit der aktuellen Entwicklung samt künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und all den stetig neuen gesellschaftsthematischen Fragen?
Längst und zu Recht gibt es in einer heterogen zusammengesetzten Gesellschaft auch sehr heterogen ausgeprägte Auffassungen zur Frage des Humors. Genauer: Zur Frage nach den Grenzen des Humors. Aber wo liegen diese Grenzen? Diese Frage haben wir uns konkret zu den noch tolerierbaren Rollen innerhalb der leichten Unterhaltung nun in Bonn gestellt. Wohl gemerkt: Es war das erste Treffen und zugleich der erste Austausch dazu dieser Art. Und es war wieder einmal eine der vielen neuen Ideen dieses zweifellos längst nicht mehr ganz neuen Verlages in der Branche. Und „Neue Idee“ empfand ich beim ersten Telefonat dazu mit Gernot Weber, dem Inhaber – zusammen mit Heike Weber – des Plausus-Verlages zugleich als Synonym für diese zweifellos erfolgreiche Verlagsarbeit. Erfolg hat immer Recht. Und doch ist die Frage erlaubt, warum und mit welcher Zielsetzung sich nun verschiedene Autoren mit dem Verlag treffen sollten? Was sollte es da zu besprechen geben? Jede und jeder schreibt seine Komödie, sein Kinderstück, sein was weiß ich noch alles, und wenn es marktfähig ist, wird es veröffentlicht. Punkt.
Aber schon beim Zusammentragen der denkbaren Themen, oder besser: der Agenda, mit gemeinsamer Schnittmenge gelang es Fragen und Themen zu identifizieren, die uns alle angehen. Was kann, was darf man überhaupt noch schreiben? Was ist noch „woke genug“, dass man es den Theaterfans der leichten Muse in einer Komödie noch anbieten darf? Was könnte, oder sollte man aber nicht zwingend vermeiden? Schon weil schon die Vermeidung wiederum einen Teil der Gesellschaft brüskiert? Was war „früher“ noch möglich, sollte heute aber tunlichst unterlassen werden? Wollen wir wirklich über stotternde Menschen in einer Komödie lachen? Einen demenzkranken Opa? Über psychisch kranke Menschen? Ich denke, schon jetzt ist die Frage der thematischen Schnittmenge von Verlagsteam und Autoren, um bei der Mengenlehre zu bleiben, beantwortet. Humor auf Kosten anderer ist keine Frage des Geschmacks, sondern das abzulehnen ist eine Frage des Anstands. Dabei sind diese Beispiele noch recht einfach, stoßen sie doch in unserer Abfrage auf eine klare Haltung, denn wir alle tragen die Überzeugung in uns, dass Humor und Wertschätzung einander nicht ausschließen dürfen. Aber bedeutet das jetzt auch, dass selbst das Klischee einer bösen Schwiegermutter nicht mehr bedient werden darf? Es ist deutlich geworden, dass es schwer wird, hier eine Regel aufzustellen oder gar einzufordern. Es gibt keine klaren Antworten, nur das Vertrauen in den gesunden Menschenverstand. Aber der muss dann auch liefern.
Und dann war da noch die Künstliche Intelligenz (KI). Gut, bei so mancher Antwort selbst namhafter Staatspräsidenten jenseits des Teichs wäre man manchmal schon mit natürlicher Intelligenz zufrieden. Aber erfrischend konkret war das Experiment des Verlages mit den Antworten der KI zur Frage nach uns Autoren. Um es abzukürzen: Wir alle durften uns gebauchpinselt fühlen, aber klar ist: Die KI neigt zu Verzerrungen. Und mehr noch: Sie widerspricht sich. Der Plausus Theaterverlag war faktisch der erste seiner Art, der schnell und unkompliziert Kataloge, Ansichtsbestellungen und Textauszüge kostenlos per E-Mail oder als Download anbot. – Und damit den Markt mächtig aufmischte. Dies wurde dann auch von der KI ähnlich bescheinigt. Die Besonderheit des Verlages läge in der ausgeprägt digitalen Ausrichtung seines Angebots. Dieselbe Frage noch einmal beim gleichen KI – Anbieter gestellt wurde nach einer Wiederholung der Frage diesmal allerdings genau diametral entgegengesetzt beantwortet. Der Verlag sei ordentlich, nur mit der Digitalisierung hat er es nicht so. Eindeutiger kann man die kruden, mit allergrößter Vorsicht zu genießenden, widersprüchlichen und z. T. schlicht falschen Antworten der KI nicht demonstrieren.
In all diese Fragen und deren konkrete Bedeutung auf erzeugtes Schriftgut mischte sich am Ende für uns Komödienschreiber dann auch die Erkenntnis, dass die KI nicht nur mit allergrößter Vorsicht zu genießen und stets zu hinterfragen ist. Das gilt ganz besonders in diesen mitunter postfaktischen Zeiten, in denen wir scheinbar leben.
Nein, mehr noch: Die KI kann auch keinen Humor. Keinen Zynismus. Keine Situationskomik. Sie versucht es, aber sie kann es nicht. Menschen brauchen eben immer Menschen. Und das in jeder Hinsicht. Gut so.
All das ist eine neue Entwicklung, und die Technik, der Algorithmus, die Rechtsprechung dazu stehen noch ganz am Anfang, und wir behalten das im Auge.
Und deshalb nun zu meiner Eingangsfrage: Zusätzlich zum erstmaligen Kennenlernen war der Austausch ohne Denkverbote wichtig. Jede und jeder von uns hat etwas mitgenommen, und dazu zählt ganz besonders die Sensibilität und die Berücksichtigung so mancher Erkenntnis aus diesem Treffen für alles, was wir tun. Die wirklich beeindruckende Vorbereitung, die das Plausus-Team hier abgeliefert hat, war auf jeden Fall gewinnbringend und schreit nach einer Wiederholung. Es waren Tage der gegenseitigen Wertschätzung, des Austausches, des Kennenlernens und des voneinander Lernens. – So muss man sich ein Treffen von Theaterkomödien – Autoren mit dem Plausus-Theaterverlag vorstellen. Beeindruckend. Danke!
Euer Bernd Spehling

